Der Altar der Kirche St. Nikolaus in Dachrieden
um 1772
Im Hinblick auf das Gesamtkonzept zur Restaurierung der gesamten Ausstattungsgegenstände der Nikolauskirche in Dachrieden/Thüringen wurde eine Rückführung des Kanzelaltars in den originalen barocken Zustand angestrebt. Die Voruntersuchung zur Erstellung von 2016 hatte gezeigt, dass eine nahezu schadfreie Trennung von barocker Originalfassung und dem darüberliegendem Anstrich von 1871 möglich ist. Dieser Umstand war dem Fassungsaufbau der Anstriche zu verdanken.
Alle beweglichen Gegenstände wurden vor der Restaurierung abmontiert und zur weiteren Bearbeitung in die Werkstatt transportiert.
Durchgeführte Maßnahmen
- Mechanische Reinigung
Zunächst erfolgte eine mechanische Reinigung des grob aufliegenden Schmutzes und Staubes mit Staubsauger Bürsten, Pinseln und Spateln.
- Freilegung
Anschließend wurde die stark poröse hellblaue Fassung des 19. Jh´s mit Skalpell unter Heißluftzufuhr abgenommen. Durch die warme Luft wurde die spröde Fassung noch stärker versprödet, sodass sie sich anschließend sehr gut mechanisch abnehmen ließ. Es war dem Umstand zu verdanken, dass die barocke Fassung nach Fertigstellung mit einem harzigen Überzug gefirnisst war, so dass sie von der Wärmebehandlung nicht geschädigt wurde und dass sich die beiden Farbfassungen sehr gut trennen ließen.
- Chemische Reinigung
Da der Firnis stark vergilbt erschien und zum Teil schon mechanisch angelöst war wurde beschlossen diesen ebenfalls mit der Fassung von 1871 abzunehmen und durch einen neuen Firnis zu ersetzen. Mit Wattebausch und Ethanol konnte er vollständig abgenommen werden. Zum Vorschein kam eine sehr leuchtende Blau Fassung mit einer orangeroten Marmorierung. Die Säulen zeigten nach der Freilegung eine rote Grundierung mit Resten verschwärzter Zinnfolie. Diese waren höchst wahrscheinlich gelüstert. Eine klare ursprüngliche Farbigkeit ließ sich auf der verschwärzten Zinnfolie nicht mehr wahrnehmen. Nach Absprache mit dem TLDA wurde entschieden auf einer Neuversilberung einen Goldlack inform einer farbigen Schellacklasur anzulegen. Diese Technik war eine weit verbreitete barocke Technik nicht nur im Thüringer Raum.
- Kittung
Zur Kittung von Nagellöchern wurde ein konfektionierter Holzkitt verwendet. Sehr breite Fugen taten sich neben der Kanzel auf. Hier wurde mit Balsarholz aufgefüllt und anschließend gekittet.
Ausgebrochene Profile blieben weitestgehend unberührt, da sie in der Gesamtheit kaum wahrnehmbar sind.
- Retusche
Für die Retusche wurden Aquarellfarben verwendet. Zum Einsatz kamen unterschiedliche Blau, Rot und Ockertöne. Durch eine Punktretusche konnte eine gute schließende Gesamtwirkung erreicht werden. Aus der Nähe bleiben die retuschierten Bereiche sichtbar.
Nach dem Firnissen d´sind die Aquarellretuschen geschützt, bleiben aber trotzdem reversibel für spätere Restaurierungen.
Die ehemals gelüsterten Säulen wurden mit Blattalluminium versilbert und anschließend mit einem goldgelben Schellackfirnis eingefärbt. Der Vorteil von Blattalluminium liegt in der Haltbarkeit. Es oxidiert nicht und verschwärtzt im Vergleich zu Silber oder Zinn nicht. Durch den Schellackfirnis entsteht der Eindruck einer gelben Vergoldung. Metallische Oberflächen spielten im Barock eine sehr große Rolle, da sie entscheidend zur Farb- und Raumwirkung beitrugen.
Die gelb übermalten Profile wurde mit Malergold mit hohem Goldanteil überstrichen.
- Firnis
Um einen gleichmäßigen Glanzgrad und einen Schutzüberzug ganz im barocken Sinne zu erlangen wurde ein Dammarfirnis aufgetragen gelöst in Terpentin aufgetragen.