Turmkapelle Sankt Martini

 Im Zuge des Umbaus der Martinikirche in eine Jugendkirche in 2012 wurde das Augenmerk auch auf die Kapelle gerichtet, die bis dahin ein unbeachtetes Dasein fristetete und lediglich als Abstellraum diente. Durch engagierte Denkmalpfleger des Landes Thüringen und der Stadt, den Gemeindemitgliedern und dem Rotarierclub in Mühlhausen wurde die Restaurierung der Kapelle durch bereitgestellte finanzielle Mittel ermöglicht. Die Malereien geben Zeugnis einer lebendigen mittelalterlichen Geschichte der Stadt Mühlhausen und zeigen wichtige geistige Themen der Zeit im 14.Jahrhundert. 

 
Heute wird die Kapelle als Andachtsraum der Jugendkirche genutzt. Sie dient auch Pilgern des Loccum-Volkenroda Pilgerweges als Zwischenstation. 

Geschichte der Kapelle

DieEntstehung der Kapelle kann auf das Jahr1364 datiert werden. Die Martinikirche selbst ist älteren Ursprungs. Am Kirchenschiff sind Spuren des Vorgängerbaus anhand zweier romanischer  mittelalterlicher Fenster auf der Südseite sichtbar. 1358 wird die Kirche  in einer Ablassurkunde zugunsten ihres Neubaus erwähnt. Die bis dahin chorlose kleine Saalkirche wurde nach der Übernahme durch den Deutschen Orden 1364 durch einen Choranbau und die Errichtung eines Turmes erweitert. Der Fachwerkaufsatz des Turmes wurde 1735 errichtet. 

  • Beschreibung der Malerei

 Alle Wände der Kapelle waren vollständig überputzt und bemalt. Die Malereien zeigen im Gewölbe Szenen aus dem Leben Jesus. Auf den Wänden sind verschiedene Szenen aus dem Leben des Namensgebers der Kirche, dem Heiligen Martin dargestellt. Die verschiedenen Szenen werden von rankenartigem Blattwerk umrahmt. Es sind zwei übereinander liegende Fassungen sichtbar. Dabei wird deutlich, dass die Themen der einzelnen Bilder beibehalten wurden jedoch die Figuren in der Ausführung variieren. Die erste Fassung wurde vollständig übermalt. Auf der Westwand und der Westkappe ist nur die zweite Fassung erhalten. (Martin auf Pferd) Die unterschiedlichen Fassungen lassen sich durch typische Farbgebung relativ gut voneinander unterscheiden.Während Grün und Lila eindeutig der 2. Fassung angehören, lassen sich ein grüner Ocker und ein brauner Ocker der ersten Fassung  zuordnen. Die roten und gelben Ockertöne beider Fassungen sind hingegen sehr ähnlich, sodass hier die Fassungszuordnung nur  durch genaue Betrachtung möglich ist.

Maßnahmen am Putz

 

  • Reinigung

Die Reinigung der Oberflächen erfolgt vielschichtig.

  • Grobe Reinigung mit weichen Pinsel und Staubsauger. Die gesamten Oberflächen waren durch zahlreiche Weberknechte extrem von Spinnenweben überzogen. Hier konnte nur sehr vorsichtig mit einem Pinseln gereinigt werden. Jede Berührung mit der Malschichtoberfläche besonders im Gewölbe hätten zu Farbschichtverlust geführt.
  • Eine weitere grobe Reinigung mit Mikroporenschwamm und Akapad ließ sich an der stark verdichteten Wandoberfläche der Musterachse vornehmen. Eine starke Staub- und Schmutzschicht wurde dabei entfernt. Ander Bereiche vor allem die Gewölbekappen und Stellen, die keine verdichtete Putzstruktur aufweisen sind zu weich und porös und können nicht auf diese Weise gereinigt werden.
  • Die Musterfläche zeigt eine verschwärzte Patina, die mit dem Putz fest verankert ist, und einen Kalkschleier, der die gesamten versinterten Oberflächen überzieht. Hier erfolgte eine chemische Reinigung mit Ammoniumcarbonat. Es wurden dafür Kompressen mit Arbocel hergestellt, die mit einer Folie abgedeckt wurden und bis zu 4 Stunden auf der Putzoberfläche belassen wurden. Im Ergebnis zeigt sich eine deutliche Aufhellung der stark verdunkelten Bereiche. Hier findet eine Rückwandlung von sulfatisierten Kalkputz zu Kalk statt. Dabei entsteht ein zusätzlicher Calcitschleier, auf der Putzoberfläche bzw. wird bei dieser Behandlung der feste Kalkschleier aufgeweicht. Nach Abnahme der Kompressen mit festen Pinseln und Nachreinigen mit Wasser konnten die aufgeweichten Schleier mechanisch mit Skalpell abgenommen werden. Alle Versuche eines 2. chemischen Reinigungsvorganges mit leichten Säuregelen und Ionenaustauschern zeigten ein unbefriedigendes Ergebnis. Bei der Abnahme der Kalkschleier kam es zu einer starken Ausdünnung der Malerei. Als beste Methode erwies sich die Abnahme unmittelbar nach Abnahme der Ammoniumcarbonatkompressen mit dem Skalpell. Die Malschichtoberfläche zeigt sich noch relativ robust und wird nur teilweise leicht ausgedünnt. Das Gesamtbild wird davon nur geringfügig negativ beeinflusst. Das Gesamtergebnis ist zufrieden stellend. Schwierig erweist sich die Methode an Bereichen mit Krusten und Pusteln. Hier kann eine mechanische Abnahme des Kalkschleiers nur bedingt erfolgen. 

 

  • Festigung 

Eine Festigung der Putzoberflächen muss lediglich auf den sandenden Bereichen in den Gewölbezwickeln ausgeführt werden. (s. Festigung Malschicht)

                                                           

  • Klebung                                                                                  

Eine Klebung der sehr dünnen abblätternden Putzkrusten ist nur in wenigen Bereichen erfolgsversprechend und auf den Nutzen hin zu prüfen. Da die Putzstruktur stark umgewandelt ist und eine sehr weiche inhomogene sulfatisierte Putzsubstanz vorliegt muss hier vorgefestigt werden. Beim Andrücken zerbricht die Kruste sehr leicht. Nur in wenigen Bereichen mit Malerei erscheint eine vormalige Sicherung mit Japanpapir sinnvoll. In einem dritten Arbeitsgang kann die Kruste auf ein Kleberbett angedrückt werden. 

Gebrochene Putzschollen und eingedrückte Bereiche lassen sich von der Wand abnehmen. Nachdem ein Unterputzaufbau erfolgt ist kann die Putzscholle in den noch weichen Putz gedrückt werden. Die eingedrückte Stelle auf der Ostwand wurde auf diese weise gesichert.

 

  • Hinterfüllung                                                                                      

Für die Hinterfüllung wurde dispergiertes Kalkweißhydrat mit destilliertem Wasser verdünnt und mit Hohlglaskugeln vermengt. Diese setzen das Gewicht der Hinterfüllung herab und sorgen als Füllstoff für zusätzliche Stabilität. Mit Kalkputz wurden zunächst Risse und Löcher geschlossen und nur eine Öffnung für das Hinterfüllmaterial belassen. In einem 3fachen Arbeitsgang wurde die Hohlstelle hinterfüllt. An der Ostwand wurde eine stark gefährdete Hohlstelle z. Teil hinterfüllt, eingedrückte Putzschollen abgenommen und mit Putz neu angeklebt. Bei der weiteren Restaurierung ist zu prüfen, ob die Hohlstelle vollständig hinterfüllt werden muss. Oft genügen einige Fixpunkte um den Putz zu stabilisieren. Eine vollständige Hinterfüllung bedeutet eine starke Gewichtszunahme und veränderte physikalische Parameter.

 

  • Konservatorischer Oberflächenverschluss 

Der Unterputz wurde aus 1 Teil Sumpfkalk und 5 Teilen groben Sand hergestellt und wurde bis zu 1 cm Stärke aufgetragen. Darauf erfolgte dan ein ca. 5 mm dicker feinerer Oberputz in einem Mischungsverhältnis von 1:3. Die Oberfläche wurde auf Originalputzniveau gebracht und mit Putzkelle geglättet.

 

  • Retusche

Ein neutrales Angleichen im Farbton der Umgebung wurde mithilfe von Lasuren erreicht.

 

 

Maßnahmen an der Malerei

                  

  • Reinigung

Eine Reinigung der Malerei ist nur bedingt möglich. In sehr porösen Bereichen muss zunächst vorgefestigt werden. Hierfür kann eine Paraloidlösung mit Feststoffgehalt von bis zu 5 % zur Anwendung kommen. Danach ist zu prüfen, ob eine Staubschicht mechanisch ausgedünnt werden kann.

 

  • Festigung

Die Festigung der Malschicht war vor allem auf der Gewölbedecke erforderlich. Lose Farbschollen konnten mit Hilfe eines mit Folie umwickelten Wattebausches niedergelegt werden, indem man den Bausch nach Auftrag des Festigungsmittels zügig abrollte. Als Festigungsmittel wurde Paraloid B72 in 3%iger Lösung angewendet. Der Auftrag erfolgte mit einer Sprühflasche. Es wurde in einem zweifachen Durchgang gefestigt. Alle Gewölbekappen, die Südwand, die Ostwand und die Nordwand wurden auf diese Weise gefestigt.