Wandgemälde Turnhalle 

Sangerhäuser Straße, Nordhausen 

 

Wandgestaltung von 1976 von Gottfried Schüler 


 In Kooperation mit der Wüstenrotstiftung, die sich u.a. für den Erhalt von gefährdeten kunsthistorisch bedeutsamen Objekten einsetzt, und der Stadt Nordhausen konnten Mittel zur Restaurierung zur Verfügung gestellt werden. 
Ein Schwerpunkt der Stiftung liegt auf der Restaurierung baubezogener Kunst der DDR. Hier wurden in den letzten Jahren bereits wichtige Objekte und deren Erhalt finanziert und gefördert. 

Durchgeführte Maßnahmen

 

  • Niederlegen und Klebung von abstehenden Putzschollen

Das gesamte Werk zeigte bis zu 10cm stark abstehende Putzschollen. Aufgrund der Materialeigenschaften konnte der Putz unter Anwendung von Wärme mit einem Heißluftfön reaktiviert werden. Das heißt, es konnte eine gewisse Flexibilität des Kunstharzgranulatputzes wieder hergestellt werden, so dass es möglich war die Putzschollen mit sanftem Druck vorsichtig niederzulegen. Die deformierten aufstehenden Putzschollen konnten so in ihre ursprüngliche Form zurückversetzt werden. Mit Paraloidklebemittel (50% in Ethylacetat) wurde der Putz auf dem Untergrund, befestigt. Das Klebemittel wurde mit Spritzen und Kanülen eingebracht. Nach dem Niederlegen musste sich das Material abkühlen und für mehrere Minuten auf dem Untergrund angedrückt werden. Eine vollständige Haftung erfolgte erst nach vollständiger Trocknung des Klebemittels nach ca. 24h. Dazu wurden die geklebten Bereiche mit Tape fixiert.  Nach 24h Trocknungszeit konnte das Tape wieder entfernt werden. Diese Maßnahmen mussten auf dem gesamten Wandbild durchgeführt werden. Seit 2014 hatte sich dieses Schadbild deutlich verstärkt. An wenigen Stellen kam es seit 2014 zum Verlust von je ca. 10cm Putzfläche. 

 

  • Rissverschließung im Mauerwerk

Die den sehr breiten Risse im oberen Bereich, die bis in das Mauerwerk reichten wurden mit Ledan D3 verfüllt. Dabei handelt es sich um einen Injektionsmörtel, der vor allem bei Mauerwerksstrukturen ohne freskaler Bindung zum Einsatz kommt. Es besitzt eine gute Dampfdurchlässigkeit sowie Festigkeit, es schwindet kaum und kann ohne Vornetzen injiziert werden. Es besteht aus hydraulischen Portland-Bindemittel mit einer hohen Widerstandsfähigkeit gegen Sulfate. Es wurde mit Spritze in mehreren Durchgängen hinterfüllt. Zum Teil musste der Riss erst oberflächig verschlossen werden, um dann das Hinterfüllmaterial mit der Spritze einbringen zu können. 

 

  • Spachteln von Mauerwerksausbrüchen

Die Flanken der Wand waren aufgrund starker Beanspruchung und durch klimatische Einflüsse teilweise stark beschädigt. Die dort befindlichen Putze und das Mauerwerk zeigten zahlreiche Ausbrüche. Es liegt hier kein Kunstharzgranulatputz vor. Es wurde mit mineralisch gebundenem Mörtel gearbeitet. Dem entsprechend wurde ein mineralischer Fassadenspachtel bei der Restaurierung verwendet. Tiefe Löcher wurden zunächst aufgefüllt. Anschließend wurde eine homogene Fläche mit dem Fassadenspachtel hergestellt.

 

  • Hinterspritzen von hohlliegenden Putzbereichen im Wandbild

An hohlliegenden Putzbereichen wurden mit einem dünnen Bohrer Löcher vorgebohrt und anschließend der Kunstharzkleber mit Spritze injiziert. Mit Wärmeanwendung konnte die Flexibilität des Kunstharzputzes reaktiviert werden und langsam plan auf dem Unterputz angedrückt werden. Der Druck wurde so lange beibehalten, bis sich das Material durch Abkühlung wieder verfestigte und nun die Lage auf dem Unterputz beibehält. Zur Fixierung wurde das Klebemittel mit eingebracht, damit eine neuerliche Deformierung verhindert wird und eine feste Bindung zum Mauerwerk oder zum Glasfasergewebe hergestellt ist. Im Putz lagen zahlreiche kleinere Risse vor, an denen sich ein Verlust der Haftung zum Untergrund abzeichnete. Mit Wärmeanwendung ließen sich die Risse öffnen. Man konnte nun Klebemittel mit einer Spritze hinterfüllen und den Riss niederlegen und Hohlstellen beseitigen.

 

  • Ergänzung der Fehlstellen und Rissverschließung mit farbigen Putzen, Nachstellen des originalen Granulatputzes

Für die Ergänzung des originalen Granulatputzes wurde eine acrylatgebundene Fassadenfarbe mit Sand versetzt, bis sie eine pastöse spachtelbare Konsistenz erhielt. Als Grundfarbe diente entweder ein vorgemischtes Blau im Farbton S4030-B10G laut NCS Farbsystem oder Weiß. Mit Mixolfarben wurde entsprechend des gewünschten Farbtons abgemischt. Die Oberflächenstruktur ließ sich durch das Zusetzen des Sandes dem Umgebungsputz angepasst. Dafür wurde ein feinkörniger gereinigter Aquariensand verwendet. Aufgrund des acrylatischen Bindemittels ist von einem ähnlichen Verhalten gegenüber Temperatur und Feuchtigkeit zu schließen. Ob eine ähnliche Plastizität wie beim Granulatputz erreicht werden kann wurde nicht geprüft. Ausschlaggebend waren eine geringere Materialhärte sowie die umgebende Oberflächenstruktur und Farbigkeit. Die feinen Risse wurden so mit Spateln verfüllt. So soll ein Eindringen von Wasser vorgebeugt werden.

Frühere Gerüsthalterungen an der Wand waren mit weißem Silikon verfüllt worden. Das Silikon wurde entfernt und mit Fassadenspachtel aufgefüllt und anschließend mit der Fassadenfarbe der Umgebung angepasst.

  

  • Rissverschließung im Putz

Teilweise konnten Risse unter Wärmeanwendung geöffnet werden mit Kleber hinterfüllt werden und angeklebt werden. Die Risse konnten dann mit farbigem Putz verschlossen werden.

 

  • Reinigung im Sandstrahlverfahren

Mit einem Druck von ca. 1,8bar und einem Feinstrahlgranulat von einer Körnung bis zu 0,18 mm konnte ein sehr guter Reinigungseffekt erzielt erden bei minimalem Materialverlust. Mikroskopische Aufnahmen zeigten geringfügige Abtragung der originalen Putzsubstanz.

Vorallem Blau, Rot und Gelb zeigten eine deutliche Farbintensivierung, ohne dass eine 

sichtbare Schicht abgetragen worden ist.

Offenbar   kam   es   durch   die   UV-   Einstrahlung   der   letzten   45   Jahre   zur   Änderung   des Brechungsindexes, dass die allmähliche Verblassung der acrylatisch gebundenen Farben/Putze bewirkte. Ob sich die Farbintensivierung neben dem Reinigungseffekt auch auf eine Verdichtung der Oberfläche zurückführen lässt, müsste weiter wissenschaftlich untersucht werden. 

Die gesamte Bildfläche wurde auf diese Art gereinigt. Neben dem Reinigungseffekt, das aufliegender Schmutz beseitigt werden konnte kam es zu dem beschriebenen farbintensiveren Bildeffekt. Auch die Grafitties im Sockelbereich des Bildes konnten auf diese Weise deutlich minimiert werden, dennoch blieben sichtbare Spuren zurück.

 

  • Rekonstruktion der Putzfehlstellen und Retusche

Im unteren Bildbereich wurde entschieden, die bereits später übermalten Bereiche mit den Spuren der Grafitties mit einem zusätzlichen blauen Anstrich zu versehen. Um eine dem Original annähernde Oberflächengestaltung zu finden, wurde zunächst ein stimmiger Blauton mit einer Reinacrylatfassadenfarbe hergestellt. Nach dem Anstrich wurde in die feuchte Farbe ein helles Flusssandgemisch aufgepustet. Dadurch erhielt die Oberfläche eine sandige Struktur und gleichzeitig sorgte die Sandfarbigkeit für das fleckige Aussehen, das auch dem Original entspricht.

Es wurde teilweise bis zum Rand der farbigen Putze gearbeitet, um sichtbare Übergänge zu minimieren. 

 

  • Graffitischutzanstrich

Als Schutzanstrich diente Hydro Pur Silan von Scheidel, einem 2Komponenten Schutzlack, der auf glatten und putzbeschichteten Untergründen einen permanenten matten Schutzanstrich bildet. Sollten Graffitis darauf gesprüht werden können diese mit einfachem Graffitientferner beseitigt werden.